Elternbrief zur GKV-Reform
Liebe Eltern,
wir möchten Sie über Entwicklungen im Gesundheitswesen informieren, die in den kommenden Jahren auch die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen verändern werden. Die Politik plant verschiedene Reformen im Gesundheitswesen.
Dabei ist ein wesentlicher Aspekt, die Kosten zu senken. In einem ersten Schritt ist auch eine Kürzung der Honorierung von ambulanten Leistungen geplant. Dabei ignoriert man, dass in den vergangenen Jahren die Kosten für Personal, Mieten, Energie und medizinische Ausstattung deutlich angestiegen sind.
Für Kinder- und Jugendmedizinische Praxen bedeutet das: Obwohl der Bedarf an medizinischer Versorgung weiter wächst, werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger. Bereits heute gibt es in vielen Regionen zu wenige Kinder- und Jugendärzt*innen. Die geplanten Änderungen könnten diese Situation weiter verschärfen.
Hinzu kommt, dass wir Kinder- und Jugendärzt*innen künftig zusätzliche Aufgaben übernehmen sollen. Geplant ist ein sogenanntes "Primärarztsystem", bei dem wir verstärkt als erste Anlaufstelle und Wegweiser durch das Gesundheitssystem dienen. Gleichzeitig sind weitere Verpflichtungen im Notdienst vorgesehen, die wir während der Öffnungszeiten unserer Praxen in Notdienstzentralen leisten sollen.
Wichtige Bereiche wie Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Prävention und die langfristige Begleitung von Kindern und Jugendlichen geraten so zunehmend unter wirtschaftlichen Druck und sollen auch nur noch zum Teil vergütet werden. Das bereitet uns Sorge! Gerade diese Leistungen sind entscheidend, um Krankheiten früh zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden, zukünftige Gesundheitskosten zu verhindern und Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Wir setzen uns weiterhin mit aller Kraft dafür ein, Ihre Kinder gut und zeitnah zu versorgen. Dennoch müssen wir unsere Leistungsangebote betriebswirtschaftlich neu bewerten, wenn das Spargesetz der Bundesregierung 2027 umgesetzt wird.
Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass die geplanten Reformen Auswirkungen auf die ambulante Versorgung haben werden. Dazu gehören beispielsweise:
- längere Wartezeiten auf Termine
- eingeschränkte Kapazitäten für die Aufnahme neuer Patient*innen
- organisatorische Veränderungen in den Praxen, Beschränkung der Sprechzeiten im kassenärztlichen Bereich auf das gesetzlich vorgeschriebene Volumen von 25 Stunden in der Woche
- mögliche Einschränkungen einzelner Angebote
Wir möchten Sie deshalb frühzeitig und transparent informieren. Eine gute medizinische Versorgung im Kindes- und Jugendalter darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen! Sie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, damit auch künftig ausreichend Zeit, Personal und Ressourcen für die Betreuung Ihrer Kinder zur Verfügung stehen.
Ihr Praxisteam
